Die Vorfreude war bereits seit Wochen immer größer geworden: endlich konnten wir mal wieder gemeinsam über den Jahreswechsel verreisen, denn die Ferien passten zusammen und die Pandemie forderte keine Beschränkungen beim Reisen mehr.

Der Flug ging vom Flughafen Zürich und der beste Nachbar brachte uns zum Bahnhof nach Thayngen, der Zug fuhr natürlich pünktlich (Schweizer Bahn halt…). Damit hatten wir aber wohl die uns zustehende Pünktlichkeit verbraucht. Bereits beim Abgeben der Koffer staute es sich ewig lang. Und dann kam die erste Meldung über die Verspätung des Fluges. Von ursprünglich 30 Minuten summierte sie sich schließlich auf 2,5 Stunden, genau die Zeit, die uns in Lissabon zum Umsteigen blieb. Die Wartezeit wurde teuer, denn der Milchkaffee am Flughafen kostete schlappe 7,10 CHF und ich brauchte mehr als einen. Der Flug als solcher war unspektakulär, aber es gab keinerlei Informationen zum Anschlussflug. Am Flughafen in Lissabon wurden erstmal alle versammelt, die noch weiterfliegen wollten. Dann hieß es plötzlich, dass wir uns am Schalter anstellen sollten. Dort standen aber alle, die weiterfliegen wollten und alle, die normal eincheckten. Es passierte einfach gar nichts. Wir wussten, dass es am Abend noch einen weiteren Flug geben würde, aber es dämmerte uns, dass wir den ebenfalls verpassen würden, weil es einfach überhaupt nicht vorwärts ging. Es war nichts organisiert. Schließlich schnappte sich der Lieblingsmensch jemanden von der Airline und machte ihm nachdrücklich klar, dass wir den nächsten Flug auch verpassen würden, wenn wir weiter in der Schlange warteten. Er kann bei sowas sehr hartnäckig sein und schließlich bekamen wir die Boardingpässe für den Flug. Wir nutzten die Chance, noch schnell was zu essen. Das Boarding ging dann natürlich nicht pünktlich los, aber der Flug startete dennoch fast pünktlich. Also das Flugzeug bewegte sich zur angegebenen Startzeit immerhin schon. Wir landeten um 23:40 Ortszeit in Ponta Delgada auf São Miguel, wo wir eigentlich schon um 19:15 Uhr hätten ankommen sollen. Der Lieblingsmensch eilte zum Mietwagenschalter und bekam noch das vorreservierte Auto. Derweil wurde am Gepäckband Gewissheit, was wir schon ahnten: unser Gepäck war noch in Lissabon. Der Lieblingsmensch hatte ein Airtag im Koffer, deshalb hatten wir schon gesehen, dass sich unsere Koffer seit der Ankunft aus Zürich nicht mehr bewegt hatten. Wir fuhren also kofferlos zur Unterkunft. Nachdem wir das Tor im Stockdustern aufbekommen und den Eingang gefunden hatten, waren wir total begeistert. Die Casa Piri Piri ist ein echtes Schmuckstück. Total liebevoll und gleichzeitig zweckmäßig eingerichtet. So konnten wir dann wenigstens in ein gemütliches Bett steigen, wenn auch mit ungeputzten Zähnen …

Aufgrund der guten Ausstattung in unserer niedlichen Unterkunft, die außer Handtüchern auch Duschgel und Shampoo bot, konnten wir am Morgen wenigstens duschen, auf die frische Wäsche danach mussten wir leider verzichten. Das Wetter zeigte sich regnerisch, wie es auf den Azoren ja gerne mal ist, aber mit 17 Grad angenehm warm. Wir fuhren zunächst in den nächsten Supermarkt und versorgten uns mit Zahnbürsten, Zahnpasta, Deo und ein paar Lebensmitteln. Lokale Ananas hatte es dort leider nicht, aber wir genossen trotzdem ein ausführliches Frühstück, bereichert durch Tamarillos, die wir vor dem Haus aufgesammelt hatten. Und selten fand ich Zähneputzen so schön.

Am Nachmittag entschieden wir uns für einen Besuch im Shoppingcenter in Ponta Delgada, um wenigstens etwas Wäsche zu kaufen. Auf dem Weg dorthin hielten wir an einem Aussichtspunkt und konnten den ersten Geocache auf den Azoren und unseren bisher westlichsten Cache einsammeln.

Auf die Idee mit dem Shoppen kam außer uns die halbe Insel, entsprechend lange suchten wir im Parkhaus nach einem Parkplatz. Das Shoppingcenter bot nichts Besonderes, aber immerhin bekam ich Wäsche, Socken und zwei T-Shirts und der Lieblingsmensch zumindest Socken. Beim Einkaufen bzw. Bezahlen dämmerte in mir die Erkenntnis, auch nach der Erfahrung am Flughafen in Lissabon, dass das Schlangestehen vielleicht doch nicht von den Briten erfunden wurde, sondern von den Portugiesen. Zumindest betreiben diese es klaglos und sehr ausdauernd, auch wenn es wegen Ineffizienz überhaupt nicht vorwärts geht.

Da wir schon in Ponta Delgada waren, wollten wir uns noch den großen Markt anschauen, aber dafür waren wir leider zu spät dran. Aber der berühmte Käseladen hatte noch geöffnet, so dass wir dort noch Käse von den Azoren und eine lokale Ananas kaufen konnten. Außerdem ließen wir uns einen Tipp für ein Fischrestaurant geben.

In Lagoa am Restaurant angekommen, war dieses leider geschlossen. Google sagte, es würde eine Viertelstunde später öffnen, am Eingang waren keine Öffnungszeiten zu lesen und es tat sich nichts. Also fuhren wir ums Eck zu einem anderen Fischrestaurant, das der Lieblingsmensch in der Zwischenzeit herausgesucht hatte. Dort wurden wir nicht enttäuscht. Wir bekamen einen tollen lokalen Fisch zu essen, den wir uns vorher aussuchten und dessen Namen wir nicht kannten und leider auch wieder vergessen haben, obwohl er uns auch auf Englisch genannt wurde. Er wurde gegrillt serviert und war richtig lecker. Die Beilagen waren mengen- und geschmacksmäßig zu vernachlässigen, aber das machte nichts. Als wir nach der Dessertkarte fragten, wurden uns einfach alle Desserts, die bereits fertig im Kühlschrank standen, präsentiert und wir wählten zwei köstliche Cremes aus. Besonders die mit Maracuja war der Knaller.

Am Abend in unserer kleinen Hütte genossen wir noch einen lokalen Biowein, den wir morgens im Supermarkt gekauft hatten. Auf den Azoren gibt es keinen Rotwein, aber diesen Wein fand selbst ich als Weißweinverächterin lecker. Außerdem unterzogen wir die neugekauften und die reichlich getragenen Wäschestücke einer kurzen Wäsche im Waschbecken, in der Hoffnung, dass sie trotz der hohen Luftfeuchtigkeit bis zum Morgen trocknen würden.

One thought

  1. Hallo Schwesterherz, das war ja ein echt holpriger Start in den Urlaub, ich hoffe, dass Euer Gepäck bald nachkommt. Die Unterkunft ist jedenfalls echt schnuckelig!Ich freue mich schon auf die nächsten Berichte!Lasst es Euch gutgehen!!!Birgit Von meinem/meiner Galaxy gesendet

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