Am Morgen war ich unentschlossen, was ich machen sollte. Ich wollte auf jeden Fall wandernd losziehen, um die Schuhe weiter zu testen. Allerdings wollte ich es mit den Blasen nicht übertreiben, weil der Lieblingsmensch am Abend wieder herkam und wir auf jeden Fall auch noch zusammen was starten wollten. Wäre also blöd, wenn ich dann wieder schlecht zu Fuß wäre. Insofern fielen die wilderen Sachen leider aus. Also machte ich mit verschiedenen Optionen rum und hatte schließlich zwei Touren zur Auswahl. Klar war, dass ich erst am Nachmittag los wollte, also bastelte ich noch ein bisschen an meinem Reisetagebuch von Schottland.

Am Mittag machte ich mir was zu essen und zog schließlich los. Das Verhältnis von Wanderschuhen zu Blasen hatte ich schonmal beim Müllrausbringen kurz getestet. Und es ging wirklich ganz gut, aber ich war immer noch unentschlossen. Beide Tour-Optionen gingen erstmal Richtung untere Walmendinger Alpe, insofern war der Start zumindest vorgegeben. Dort angekommen entschied ich mich dann für den Weg Richtung Bergstation vom Heuberg.

Der Weg wird zu einem alpinen Steig, bei dem mit Schildern gewarnt wird. Weil er nicht so weit oben ist, scheint er häufig unterschätzt zu werden. In der Tat wird er sehr schmal, geht immer am Abhang entlang und hat viele Wurzeln und die eine oder andere steile Stelle. Mir hat er sehr gut gefallen. Schließlich kommt man wieder auf einen breiten Schotterweg. Kurz vor dem Abstieg Richtung Bergstation kann man zu einem Aussichtspunkt laufen. Dort steht eine Bank, von der man genau unsere Unterkunft, das Haus Waldesruh, sehen kann.

Nun ging es auf der anderen Seite wieder runter und eigentlich war der Plan, vorbei an der Bergstation wieder Richtung Schwarzwassertal abzusteigen.

An einer Kreuzung verriet der Blick in die Karte aber, dass ich gar nicht mehr weit von einem Geocache entfernt war, den wir beim letzten Mal nicht gefunden hatten. Also entschied ich mich um und lief stattdessen Richtung Sonna-Alp.

Von dort geht es steil hinab nach Mittelberg, zum Geocache biegt man aber nach zwei Serpentinen auf den Höhenweg Richtung Hirschegg ab. Der Geocache ist in einem Baum versteckt. Dieses Mal fehlte mir die Räuberleiter vom Lieblingsmenschen, aber ich schaffte es trotzdem, in den Baum zu kommen. Er ist ein richtig guter Kletterbaum und mir war bald klar, dass ich beim letzten Mal einfach nicht hoch genug geklettert war. Auf ungefähr sieben Meter Höhe wurde ich fündig und machte ein Foto vom Logbuch. Einen Stift hatte ich nicht dabei, völliger Anfängerfehler, denn die Geocacherin ist immer vorbereitet.

Ich entschied, dem Höhenweg weiter bis zum Rohrweg zu folgen und dort dann den Abstieg zur Walserstraße zu machen, wo direkt die Bushaltestelle Tobel ist.

Hätte ich länger auf den Bus warten müssen, wäre ich einfach zur nächsten Haltestelle gelaufen. Lustigerweise gibt es an den Bushaltestellen im Tal Zeitangaben, wie lange man zur nächsten Haltestelle läuft. Es lohnte sich aber nicht, da ich nicht lang warten musste.

In Riezlern holte ich die Schuhe des Lieblingsmenschen von der Reparatur ab und konnte auch gleich der netten Verkäufern von meiner Zufriedenheit über meine neuen Schuhe berichten. Zurück ging es mit der Linie 3 bis ins Wäldele.

Ich kam mit einem dicken Grinsen wieder am Haus an. Nachdem ich so ewig rumgemacht hatte mit meiner Unzufriedenheit, dass es keine richtig große Tour mehr geben würde in diesem Urlaub und dass der Große Widderstein wieder auf der Löffel-Liste stehen bleiben würde, hat mir diese Runde und auch das spontane Entscheiden total gut gefallen. Das Klettern im Baum hat ganz viel Spaß gemacht, auch wenn ich jetzt reichlich zerkratzt an Armen und Beinen bin. Am Ende des Tages war ich einfach zufrieden. Das Basteln am Reisetagebuch hatte ich so ewig aufgeschoben und dann war es einfach schön, nochmal in den Erinnerungen zu schwelgen und alles schön zu gestalten. Die Tour war unerwartet schön, auch ohne großen Gipfel. Und dass der Lieblingsmensch wieder her kam, hat den Tag natürlich perfekt gemacht.

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