Der Plan klang überschaubar: die neuen Wanderschuhe auf einer teilweise bekannten Route austesten und dabei gleich noch einen Geocache einsammeln. Mit dem Bus, den man mit der Allgäu-Walser-Card umsonst benutzen kann, sollte es nach Baad gehen, von dort wollte ich über die Ochsenhofer Köpfe auf’s Walmendinger Horn und auf dem Weg noch Starzeljoch und Grünhorn mitnehmen. Den Abstieg wollte ich entweder direkt ins Schwarzwassertal machen oder mit der Gondel nach Mittelberg abfahren und von dort mit dem Bus wieder zurück. Soweit der Plan.

Morgens war ich recht früh wach und nutzte die Zeit für ein paar Essensvorbereitungen. Aus mir selbst nicht nachvollziehbaren Gründen packte ich nur kleine Snacks und 1,5 Liter Wasser ein. Mir hätte direkt auffallen sollen, dass das etwas schräg ist, denn ich ziehe immer mit einem riesen Rucksack voll Wasser und Essen los, zumal ich morgens in der Regel nichts esse. Keine Ahnung, was da in meinem Kopf schief gelaufen ist. Wenn man mit dem Bus los will, kommt man leider nicht vor 9 Uhr weg. Ich richtete also alles so her, dass ich den Bus um 9:12 Uhr nehmen konnte. Dieser fuhr dann um 9:07 Uhr direkt vor meiner Nase weg. Also wartete ich auf den nächsten. An der Breitachbrücke in Riezlern stieg ich aus Versehen in den Talbus. Also stieg ich am Walserhaus wieder aus und wartete dort auf den Bus nach Baad, der Verspätung hatte.

Es war bereits 10:20 Uhr als ich endlich in Baad loslaufen konnte. Ich schlug den Weg Richtung Starzeljoch ein und war direkt allein unterwegs, was mich sehr freute, weil in Baad zwei Busladungen Menschen unterwegs waren, aber alle Richtung Widdersteinrunde starteten. Zunächst ging es auf Asphalt steil bergan, der Weg ging dann in Schotter über und wurde schließlich zu einem schmalen, recht steilen Weg über Wurzeln und Steine. Hinter mir standen Widderstein und Co. vor strahlend blauem Himmel. Ich kam ordentlich ins Schwitzen und ahnte bald, dass ich zu wenig Wasser dabei habe. Kurz hinter der Starzelalpe, die nicht bewirtschaftet ist, konnte ich die erste Wasserflasche an einem kühlen Bergbach wieder auffüllen. Das kalte Wasser schmeckte herrlich.

So gestärkt ging es weiter auf das Starzeljoch. Hier traf ich eine nette Familie, mit der ich ein wenig plauderte. Wenn man Richtung Starzeljoch aufsteigt, kommt irgendwann der Hohe Ifen in den Blick, wenn man es nicht weiß, erkennt man auf den ersten Blick gar nicht, dass noch ein ganzes Tal dazwischen liegt.

Nun folgte der Aufstieg aufs Grünhorn, der ein bissle gemein ist, weil man den Gipfel vor Augen hat und der Weg dann doch noch rauf und runter geht. Am Grünhorn waren bereits einige Leute anzutreffen. Ich zog meine Schuhe aus, um mir die Blasen anzuschauen, denn ich hatte sie deutlich gespürt. Am linken Fuß war das Gelpolster des Blasenpflaster völlig verrutscht. Also klebte ich ein zweites drüber und deckte es mit Tape ab. Vermutlich wird das jetzt alles miteinander und mit meiner Haut verwachsen und nie wieder abgehen. Ich aß meine Snacks und war nicht wirklich satt. Aber es half nix.

Vom Grünhorn steigt man zunächst Richtung Ochsenhofer Scharte ab. Dort war es total voll und alle saßen mitten auf dem Weg.

Der Weg über die Ochsenhofer Köpfe ist ein alpiner Weg, also blau-weiß markiert, und deshalb zum Glück nicht mehr so stark begangen. Es ist ein toller Weg mit kleinen Klettereien, der immer am Grat entlang führt. Man hat dauerhaft Aussicht auf den Ifen und ins Schwarzwassertal auf der einen Seite und Richtung Widderstein, Elferkopf und Zwölferkopf usw. auf der anderen Seite. Aufgrund der klaren Sicht konnte man unglaublich weit schauen, selbst Säntis und Zugspitze waren zu sehen.

Am Ort des Geocaches blieb ich leider erfolglos. Ich hatte eine Vermutung, wo er sein könnte, aber dafür hätte ich den Gratweg verlassen müssen, was mir eindeutig zu gefährlich war für eine Plastikdose und einen gelben Smiley auf der Karte. Ich ließ es lieber bleiben. Es ging weiter auf und ab, was diesen Gratweg zusätzlich so abwechslungsreich macht.

Am Ende muss man leider weit absteigen, um dann über einen elend steilen Schotterweg wieder zum Walmendinger Horn aufzusteigen.

Spätestens da merkte ich, dass ich mir mit meiner fehlerhaften Vesperplanung keinen Gefallen getan hatte, weil mir jetzt einfach die Kraft ausging. Ich schlich gefühlt den Berg rauf. Trotzdem nahm ich den Gipfel mit, danach fuhr ich dann aber tatsächlich mit der Gondel ab, zumal sich die Blasen deutlich bemerkbar machten, auch wenn die neuen Schuhe ansonsten super sind.

In Mittelberg wollte ich in der Uusziit einkehren, aber irgendwie kam niemand zum Bedienen. Da ich noch mit dem Bus weiterfahren musste, entschied ich mich um und fuhr nach Riezlern. Dort gab es dann ein allgäuer Miluh-Eis auf die Hand, auch sehr lecker!

Nach der Rückkehr mit dem Bus gab es ein ausführliches Abendessen, das ja morgens bereits vorbereitet war und nun schnell ging. Und ich fasste den Vorsatz, dass mir sowas nicht noch einmal passiert, ich kehre wieder zu meinen übertriebenen Wasser- und Vespervorräten zurück, auch wenn der Rucksack dann immer schwer ist. Außerdem hatte ich die Erkenntnis, dass es nichts nützt, die Sonnencreme mit mir herumzutragen, ich muss sie wohl auch benutzen. Ich war rückwärtig leicht verbrannt: Nacken, Rückseite der Oberarme und Waden, was logisch ist, wenn man auf dem Grat immer in eine Richtung läuft.

Insgesamt etwas zerschlagen ließ ich den Abend ausklingen. Mal schauen, ob ich nun meinen Füßen einen Tag schuhfrei gönnen muss.

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