Das Wetter war am Morgen angenehm mild mit nur einem leichten Wind, optimale Radbedingungen, die wir für den heutigen Tag auch dringend brauchten.

Nach einem wieder mal reichhaltigen Frühstück machten wir uns bald auf den Weg. Wir nahmen nicht die Straße über Bruichladdich, sondern entschieden uns, quasi hintenrum zu fahren. Die Strecke verlief über kleine Straßen, Schotterpisten und tatsächlich auch etwas mehr offroad. Am Anfang überholte uns einmal ein Auto, ansonsten waren wir allein mit den Schafen und ihren Hinterlassenschaften. Als es Richtung Machir Bay ging, war der Weg nur noch ein Pfad durch die Wiesen und sehr feucht. Meine Reifen am Gravelbike kamen deutlich an ihre Grenzen. An einer Stelle hab ich mich dann auch tatsächlich abgelegt. Da ich ins Gras gefallen bin, ist weiter nichts passiert außer blauen Flecken, aber mein Rad war voller Schafkacke, die dann auf der weiteren Fahrt schön gespritzt ist. An mehreren Stellen mussten wir vom Weg abweichen und durch hohes Gras schieben bzw. tragen, weil es einfach unfassbar matschig war. An einem Viehgatter hab ich mein Rad einfach drüber gehoben, weil es einfacher war, als es durch die Matsche auf die andere Seite zu bringen. Schließlich ging es auch noch durch Sand, sodass die Räder dann so richtig schön paniert waren. Der Blick über Machir Bay war aber unglaublich schön, ein unfassbar schöner Strand. Insofern haben sich die Strapazen allemal gelohnt. Irgendwann endlich wieder auf einer Schotterstraße zu landen, war dann aber trotzdem schön und schließlich erreichten wir Kilchoman.

© lieblingsmensch

Seit wir das letzte Mal hier waren, haben sie total umgebaut und das Visitorcenter sehr vergrößert. Der Lieblingsmensch konnte seinen Akku vom Rad zum Laden anschließen und ich hab überprüft, ob ich Schafkacke an der Hose hatte. Zu Beginn der Führung trafen wir uns erstmal im Tastingroom. Das Mädel, das die Führung machte, sprach so unfassbar schnell, dass selbst eine Schottin meinte, dass sie kaum mitkäme. Gut, dass ich schon ein paar Führungen mitgemacht habe und die Grundzüge der Whiskyherstellung kenne, insofern kam ich trotzdem ganz gut mit. Auf dem Maltingfloor bekamen wir einen 100% Islay Barley zu probieren. Den hatten wir schon ein paar Mal in der Hand. Nun wissen wir, dass wir ihn ruhig kaufen können. Nach der Führung ging es zum Tasting. Neben uns saß jemand, der schonmal in Ravensburg gelebt und als Lehrer gearbeitet hat. Mit ihm und dem Pärchen auf der anderen Seite haben wir uns sehr gut unterhalten.

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Nach der Führung haben wir im Café gegessen, um eine Grundlage für den weiteren Whisky zu bilden. Ich hab mir dann noch ein Radtrikot von Kilchoman mitgenommen.

Bis nach Bruichladdich waren es dann nur noch 10 Kilometer zu fahren. Wir haben erstmal ordentlich Wasser getrunken, bevor es zur Warehouse Experience ging. Bei diesem Tasting sitzt man im Warehouse und bekommt Whiskys direkt aus dem Fass. Das Tool, mit dem der Whiksy aus dem Fass geholt wird, heißt Valinch, quasi eine sehr große, kupferne Pipette (für das es scheinbar kein deutsches Wort gibt). Wir bekamen je einen Whisky aus den drei Linien von Bruichladdich zum Probieren. Der erste war also ein Bruichladdich, er war von 2004, hergestellt aus der ersten Ernte von Islay-Barley, der mit immer noch 58% daher kam und schon sehr lecker war. Der Guide war sehr witzig und hat uns mit lustigen Geschichten rund um die Destille unterhalten, während wir in Ruhe den Whisky genossen haben. Beim Verteilen des zweiten Whiskys hat er jeden gefragt, welchen Whisky wir auswählen würden, wenn wir den Rest unseres Lebens nur noch diesen einen Whisky kaufen und trinken könnten. Ein Typ aus Texas war als einer der ersten dran und hat danach seine Meinung immer wieder geändert, wenn er die Wahl der anderen gehört hat. Das war schon richtig witzig. Als der Guide bei mir ankam, hab ich natürlich den Octomore 8.2 gewählt, den wir bei unserem letzten Islay-Urlaub als unseren ersten Octomore überhaupt probiert und gekauft haben und bis heute lieben. Die Antwort des Guides war mit einem fetten Grinsen: you will soon love me. Und erst da haben wir gesehen, dass auf dem dritten Fass Octomore 8.2 stand. Der Port Charlotte, den wir als zweiten Whisky bekamen, war aber auch ein ganz besonderer Tropfen: von 2012, acht Jahre lang in first fill American oak und danach zwei Jahre im Sauternes Cask gereift, ebenfalls aus Islay Barley. Als es dann schließlich an den Octomore ging, wurden wir gefragt, ob jemand ausschenken möchte. Natürlich hab ich mich sofort gemeldet, so eine Chance kommt so schnell nicht wieder. Jemand anderes hatte sich ebenfalls gemeldet, so dass wir uns das Ausschenken aufgeteilt haben. Wir wurden zunächst mit der/dem (?) Valinch zum Ritter geschlagen und dann kurz eingewiesen, damit wir nicht zu viel Kohle aus dem Fass hochholen. Natürlich haben wir sehr großzügig ausgeteilt. Als ich fertig war, meinte der Guide, dass ich das Tasting eigentlich fertig machen könnte und hat mir seine gelbe Weste umgehängt. Da der Octomore die ganze Zeit im Fass geblieben war, hatte er natürlich eine ganz besondere Reife erhalten und war der tollste Whisky, den ich bisher getrunken habe. Das Tasting war insgesamt eine ganz besondere Erfahrung und die Whiskys waren natürlich der Wahnsinn.

© lieblingsmensch
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Die Rückfahrt mit dem Rad war dieses Mal etwas einfacher, zwar immer noch bergauf, aber viel weniger windig. Wir waren wieder in Portnahaven, kurz bevor unsere Freunde von daheim ankamen. Es war total schön, sie wiederzusehen und zu wissen, dass wir nun zwei tolle gemeinsame Tage vor uns hatten.

Nachdem sich alle etwas frisch gemacht hatten, sind wir gemeinsam nach Bowmore zur Peatzeria gefahren und hatten tolle Pizza. Danach ging es noch für einen kurzen Einkauf in den Coop. Zurück in Portnahaven haben wir den Abend auf dem Deck ausklingen klassen.

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