Die Temperaturen wurden deutlich wärmer, beim morgendlichen Lauf kam ich tatsächlich mal ins Schwitzen und wo zwei Tage zuvor eine geschlossene Schneedecke das Joggen noch möglich machte, war es nun reichlich sulzig. Ich blieb also auf der geräumten Straße.

Nach dem Laufen blieb noch Zeit für Kaffee und Tee. Um 10 Uhr wurden wir dann von Jukkasjärvi Vildmarks Turer abgeholt. Im Auto saß bereits ein Pärchen aus den Niederlanden, die Fahrerin war lustigerweise Deutsche. Sie bestätigte, dass diese warmen Temperaturen eigentlich erst im Mai erreicht werden. Eine Woche zuvor hatte es nochmal richtig geschneit, sonst wären die Schneeverhältnisse noch schlechter gewesen.

Trotz der warmen Temperaturen erhielten wir für die Fahrt sehr warme Overalls und dicke Stiefel. Dann ging es zu den Schlitten und wir lernten die 11 Hunde kennen. Diese waren schon ganz aufgeregt, weil sie endlich loslaufen wollten. Man konnte alle streicheln und sie gingen auch direkt auf Körperkontakt, sobald man sich ihnen näherte. Sie haben total dickes Fell, weil sie das ganze Jahr über draußen leben und das bei Temperaturen bis unter -40 Grad. Außerdem bestehen sie eigentlich nur aus Muskeln. Dadurch haben sie eine unglaubliche Kraft.

Unser Schlittenführer war ebenfalls ein Deutscher. Man merkte sofort, dass er für das Hundeschlittenfahren lebt. Wir erfuhren, dass er Wettkämpfe fährt und 19 eigene Hunde hat, die auch zu ihm ins Haus dürfen. Er erklärte uns ganz viel über die verschiedenen Positionen am Schlitten und die unterschiedlichen Fähigkeiten, die die Hunde dafür jeweils haben müssen. Die Leithunde können sogar rechts und links unterscheiden. Im Sommer müssen die Hunde sich zum einen ausruhen, manche von ihnen sind in diesem Winter schon 4000km gelaufen, außerdem müssen sie sich Reserven anfressen, denn so ein Hund kann am Tag bis zu 6000 Kalorien verbrennen. Sie erhalten eine bestimmt Diät mit sehr viel Fett und Protein, aber kaum Kohlenhydraten.Bewegen müssen sie sich natürlich auch außerhalb der Saison, damit sie im Training bleiben.

Durch die schlechten Schneeverhältnisse war unsere Fahrt nicht mehr so schnell, zumal es auch anfing zu regnen. Auf der Hälfte der Fahrt kehrten wir in einem Zelt ein. Dort gab es eine Pilzsuppe nach Sami-Rezept und Polarbröd mit Käse.

Danach fuhren wir die Runde zu Ende. Es war ein total tolles Erlebnis! Am Ende durften wir sogar noch Welpen anschauen, die gerade sieben Wochen alt waren.

Zurück in unserer kleinen Hütte haben wir noch etwas gevespert. Dann sind wir nach Jukkasjärvi gefahren, um das Sami-Museum zu besichtigen. Es ist ein liebevoll gemachtes Freilichtmuseum, indem man ganz viel über die Sami und Rentierherden erfahren konnte. Spannend fand ich vor allem die Einteilung des Jahres in acht statt vier Jahreszeiten. In einem Gehege gab es ein paar Rentiere, an die man sogar ganz nah heran konnte. Streicheln lassen wollten sie sich aber nicht. Im Café hatten wir noch ein Fika mit leckerem Kuchen. Im Anschluss hab ich mir noch ein hübsches Armband gekauft. Ähnliche gab es auch schon in Nikkaluokta, sie werden in traditioneller Handarbeit gefertigt.

Zurück in der Hütte gönnten wir uns den Luxus einer Dusche, den uns unsere Vermieterin in ihrem hübschen Haus angeboten hatte. Es ist echt krass, wie schnell man solche Selbstverständlichkeiten wieder zu schätzen weiß, wenn man mal ein paar Tage darauf verzichtet hat.

Am Abend hatten wir eine Tischreservierung im Camp Ripan in Kiruna. Auf dem Weg haben wir noch getrocknetes Rentierfleisch zum Heimnehmen besorgt.

Das Essen war unglaublich lecker und ein würdiger Abschluss für einen gelungenen Urlaub.

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