Hier gab es in der letzten Zeit ja vor allem schöne Bergbilder und Urlaubsberichte zu sehen und lesen. Heute bewegt mich mal wieder mein anderes großes Thema: die Ernährung.

Seit Beginn meiner Zuckerfrei-Challenge ist inzwischen mehr als ein halbes Jahr vergangen. Hier gab es dazu lange nichts mehr zu lesen und das hatte den guten Grund, dass es einfach lief. Zuckerfrei war zur Normalität geworden. Es gab nichts Neues zu berichten, in Kombination mit der reduzierten Aufnahme von Kohlenhydraten war einfach alles gut. Ich fühlte mich wohl, bin Kilos losgeworden, die mich schon sehr lange genervt hatten, konnte besser schlafen, alles war, wie es sein sollte. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, alles im Griff zu haben.

Ihr ahnt es, hier kommt die Wendung der Geschichte. Es ist immer gefährlich, wenn man sich zu sicher fühlt. Und wenn eine süchtig machende Substanz wie Zucker im Spiel ist.

Bereits vor dem Urlaub hatte ich an einem Abend die Erfahrung gemacht, was passiert, wenn ich von der Regel abweiche. Da es ein besonderer Anlass war, habe ich mir gegönnt, einen Nachtisch mit Zucker zu essen. Und obwohl ich zunächst dachte, dass dieser für meinen Geschmack eigentlich zu süß war, fand ich ihn lecker. Scheinbar hat der Zucker direkt wieder meine überwunden geglaubte Sucht getriggert und ich aß im Verlauf des Abends noch mehr Sachen mit Zucker und vor allem deutlich zu viel davon und zwar bis ich wirklich total vollgestopft war. In Kombination mit dem Alkohol, den es an dem Abend auch gab, eine sehr unschöne Mischung, die mich nachts kaum schlafen ließ.

Die Reue war groß, aber ich nahm mir vor, diesen Abend als Erfahrung abzuspeichern und daraus zu lernen. Leider brauchte ich aber noch mehr solcher Erfahrungen, um die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Ich wusste im Vorfeld unseres diesjährigen Urlaubs, dass ich während meiner Wanderwoche auf der Hütte nicht konsequent vegan würde essen können, da diese Option nicht angeboten wurde. Also entschied ich – ähnlich wie letztes Jahr auf der Hüttentour – für diese Zeit vegetarisch zu essen. Und da ich Käse liebe und ihn tatsächlich in meinem alltäglichen Leben vermisse, hab ich bereits im Urlaub im Kleinwalsertal vegetarisch gegessen. Damit standen mir plötzlich in Restaurants viel mehr Essoptionen zur Verfügung als ich es normalerweise gewohnt bin, natürlich auch Süßes mit Zucker.

Da ich ja eh schon im Ausnahme-Modus war, nach dem Prinzip „es ist Urlaub und man muss sich ja auch mal was gönnen, wenn man im Alltag so konsequent ist“, fielen bei mir alle Hemmungen und das Ganze eskalierte. Plötzlich aß ich wieder all diese ungesunden Sachen, die ich in den letzten Monaten überhaupt nicht vermisst hatte. Und zwar in großen Mengen, da eine Stimme in meinem Hinterkopf mir ständig zuflüsterte, dass ich das ja alles nicht mehr essen dürfte, wenn ich erst wieder daheim wäre.

Die Rückkehr in mein vernünftiges und mir guttuendes Essverhalten fiel mir nach meiner Rückkehr dann erstaunlich leicht. Es ging mir direkt besser, ich fühlte mich wieder wohl und genoss das gesunde Essen. Bei der ersten Gelegenheit außerhalb des Rahmens – einer Essenseinladung zum Grillen – eskalierte es aber gleich wieder. Die Gastgeberin hatte sich für mich extra etwas überlegt – vegan, aber mit reichlich Kohlenhydraten. Natürlich habe ich es gegessen, denn es war ja total lieb von ihr und auch lecker. Aber anstatt es dabei zu belassen und vielleicht noch etwas Salat zu essen, griff ich reichlich zu und aß wieder mal viel zu viel. Irgendwann konnte ich aufhören, aber es hat mich den Rest des Abends ungemein angestrengt, nicht noch mehr zu essen, ich hab quasi an nichts Anderes gedacht. Zurück daheim bin ich dann noch an den Kühlschrank gegangen …

Sich darüber zu ärgern, lässt sich nicht vermeiden, vor allem wenn die Waage es einem direkt schonungslos vor Augen führt. Aber sich nur zu ärgern, bringt einen nicht weiter. Die Frage ist: welche Konsequenzen ziehe ich daraus, um eine dauerhafte Lösung zu finden? Wie schaffe ich es, auch und gerade bei Ausnahmen maßvoll zu bleiben? Denn dass ich keine Ausnahmen mehr machen muss oder möchte, halte ich für utopisch. Immer nur diszipliniert zu sein, ist kein auf Dauer realistisches Konzept.
Ich glaube, bei mir kommen mehrere Probleme zusammen. Ein Problem ist mit Sicherheit, dass ich nicht wahrnehme, wann ich eigentlich satt bin. Damit dürfte ich nicht allein sein, das ist mir natürlich klar. Während des Essens etwas Anderes zu machen, habe ich mir schon seit langem abgewöhnt. Allerdings esse ich sehr zügig. Ich versuche immer wieder, langsamer zu essen und gründlicher zu kauen, aber langsam ist nicht so mein Element. Das nächste Problem in der Reihe: ich kann gnadenlos über meine Sättigung hinwegessen. Das liegt mit Sicherheit daran, dass man bei uns daheim immer den Teller leer essen musste. Aber ich kann in der Tat noch weiter essen, wenn ich richtig voll bin, fast bis zur Übelkeit. Natürlich geht es mir dann nicht gut. Aber die Erfahrung des Unwohlseins reicht nicht aus, mich beim nächsten Mal daran zu hindern, wieder so viel zu essen. Eine weitere Problematik liegt in der Psychologie des Verbots beziehungsweise, was mein Gehirn daraus macht. Wenn ich im Eskalationsfressmodus bin, sagt mir mein Gehirn ständig, dass ich diese Sachen nie mehr (großgeschrieben und fettgedruckt!) essen darf, wenn ich mich erstmal wieder vernünftig ernähre, was dazu führt, dass ich in dem Moment noch mehr davon esse. Der nächste psychologische Effekt ist, dass ich am nächsten Tag das Gefühl hab, dass man mir das direkt ansieht, v.a., wenn die Waage die Eskapade entsprechend dokumentiert.

Meine Wunschvorstellung ist, dass ich mich gesund und gut ernähre und mir ab und zu Ausnahmen genehmige, die ich dann einfach nur genieße, ohne zu übertreiben. Wenn die Ausnahme planbar ist, ich vorher weiß, wie sie aussehen wird und ich mich drauf einstelle, funktioniert es schon ganz gut. Aber wehe, es ist nicht absehbar und ergibt sich spontan, dann kann ich damit nicht umgehen und es kommt zur beschriebenen Eskalation. Das ist so verrückt, weil ich im Alltag wirklich nichts vermisse, sondern im Gegenteil das Zubereiten, Kochen und Essen sehr genieße.

Der Plan, den ich mir überlegt habe, um diese Wunschvorstellung zu erreichen und diese Eskalationen auf Dauer zu beenden, sieht so aus: ich werde definitiv den Zucker wieder komplett streichen. Aber ich werde einen bewussten Cheatday in der Woche einplanen. An diesem Cheatday werde ich versuchen, mir (abgesehen von Zucker) nichts zu verbieten. Ich erhoffe mir davon, dass ich auf lange Sicht gesehen an diesem Tag Sachen genießen kann, die ich nicht täglich esse, mir dann aber bewusst gönne. Diesen Cheatday werde ich aufs Wochenende legen oder aber auf einen Tag mit Anlass, wenn ich also weiß, dass ich zum Beispiel auswärts essen werde oder eingeladen bin. Während der Challenge, die ich bei der lieben Julija von deinoutdoortrainer mitgemacht habe, gab es immer einen Cheatday oder zumindest ein Cheatmeal. Das hab ich nie wahrgenommen, weil ich glaubte, dass ich das nicht brauche. Vielleicht war das ein Fehler und in meinem Unterbewusstsein hat sich ein Gefühl von Verzicht eingeschlichen, dass mir nicht bewusst war und dass sich jetzt in den Eskalationen rächt. Im Alltag werde ich zudem versuchen, ein wenig mehr Abwechslung einzubauen. Denn irgendwie hat sich eingeschlichen, dass ich zwar nicht jeden Tag die gleichen Sachen esse, aber doch in der Art irgendwie immer dasselbe. Meine Vermutung ist, dass ich zwar grundsätzlich sehr gesund esse, aber mit mehr Abwechslung vielleicht noch mehr Nährstoffe abdecken kann und damit zufriedener werde.

Ich bin selber gespannt, wie sich das nun entwickeln wird. In diesen kleinen Innenbericht hier habe ich Bilder von leckeren Sachen aus meinem gesunden Alltag integriert, auch für mich als neue Motivation. Ich hoffe, dass ich an dieser Stelle irgendwann berichten kann, dass der Plan aufgegangen ist. Bis dahin bin ich dankbar für alle Tipps, die ich bekommen kann. Also immer raus damit.

5 thoughts

  1. Hey Schwesterchen,
    wir sind uns echt ähnlich….! Deinen Bericht könnte ich über meine Urlaubszeit 1:1 übernehmen – ich hab zwar andere Dinge weggelassen als Du, die Esskalationen (neue Wortschöpfung!) waren ganz ähnlich. Bin gespannt, wie das bei Dir mit den Cheatdays klappt! Drücke Dir die Daumen!
    Birgit

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  2. Vielleicht versuchst du mal von dir selbst wegzukommen. Denn meiner Meinung nach kannst du den Kampf so nicht gewinnen bzw durchhalten. Der Zucker setzt einen Botenstoff im Hirn frei und ist auch mit unserem limbischen system verbunden. Wie ich schon sagte, den Kampf kannst du so nicht gewinnen. Lerne dein Selbst in den Hintergrund zu stellen und du hast mehr Erfolg und dein Leben wird leichter.

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