Wenn man so sechs Tage am Stück wandert, ist es ziemlich anders, als wenn man in einem Urlaub verschiedene Wanderungen unternimmt. Und irgendwie hat man beim Wandern und Übernachten in Hütten die eine oder andere Erkenntnis, zumindest ging es uns.

Wenn man in den Alpen unterwegs ist, muss man ja selbst im Sommer mit kaltem und nassem Wetter rechnen. Eine Regenjacke hatte ich natürlich eh eingeplant mitzunehmen und am ersten Tag haben wir sie auch gebraucht. Meine Schwester hatte außerdem eine leichte gefütterte Jacke dabei. Sowas hatte ich nicht, hab aber einen Tag vor dem dem Start dann noch eine bei Vaude bekommen, praktischerweise auch noch im Angebot. Die hätte ich auch nicht missen wollen. Gerade beim Loslaufen am frühen Morgen war sie wirklich super, denn da hatten wir meistens unter 10 Grad. Gleichzeitig war sie schön leicht, so dass sie im Rucksack nicht viel ausgemacht hat. Aus dem gleichen Grund war ich froh über Halstuch und Mütze und tatsächlich wären Handschuhe nicht schlecht gewesen.

Wenn wir mehr Regen gehabt hätten, wäre eventuell eine Regenhose eine gute Sache gewesen. Allerdings finde ich lange Regenhosen oft sehr warm, auch wenn sie atmungsaktiv sind. Da wir eigentlich immer in kurzen Hosen gelaufen sind, weil es ja nach der Frische am Morgen bald wärmer wurde, hätte es vielleicht eine kurze Regenhose gebracht. Sowas besitze ich allerdings nicht und wir hatten ja eh gutes Wetter nach dem ersten Tag.

Was wir gerne gehabt hätten, wäre Lippenpflege gewesen, denn unsere Lippen haben etwas unter der Temperatur und der Sonne gelitten.

Während der Wanderung haben wir uns allerdings eher die Frage gestellt, was wir hätten weglassen können. Unsere Rucksäcke waren mit knapp 13 Kilogramm eigentlich zu schwer. Klar, die ca. 3 kg Wasser verbrauchten sich über den Tag und auch die Müsliriegel wurden über die Tage weniger. Aber trotzdem war es reichlich Gewicht. Hier nun also unsere Einsparungsideen. Sie sind leider noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Wenn man nur auf Hütten übernachtet, kann man auf zusätzliche Schuhe verzichten, da es überall Hausschuhe zum Ausleihen hat. Wir waren allerdings zwei Nächte in anderen Unterkünften, einmal in einem Hotel, einmal im Hostel. Da hätten wir ohne zusätzliche Schuhe dann in den Wanderschuhen zum Essen gehen müssen.

Im Gespräch mit anderen Wanderern auf unserer Strecke stellte sich raus, dass diese an den Sachen zum Wandern sparen. Teilweise haben sie nur eine Ausrüstung dabei, also eine Hose, ein Shirt usw. Wenn man das macht, kann man natürlich wirklich Gewicht sparen. Aber ich weiß trotzdem nicht, ob das für mich praktikabel wäre. Natürlich kann man zwischendurch die Sachen kurz durchwaschen. Das haben wir ja auch gemacht. Aber unsere Sachen sind über Nacht nicht trocken geworden. Die Vorstellung bei unter 10 Grad am Morgen mit feuchten Sachen loswandern zu müssen, finde ich wenig attraktiv. Außerdem gehöre ich zu den Menschen, die bei Bewegung immer reichlich ins Schwitzen geraten. Wenn ich also nach einem Anstieg oben angekommen eine Pause machen möchte, muss ich das Shirt wechseln, da ich sonst direkt anfange zu frieren. Da helfen dann auch keine warmen Sachen zum Drüberziehen. Was ich im Sommer wirklich nicht mehr einpacken würde, wären T-Shirts. Ich hatte zwei ärmelose Tops und zwei T-Shirts dabei (wir sprechen hier bei allem natürlich von leichter Funktionskleidung, nicht von Baumwolle). Da hätten die zwei Tops gereicht. Wenn es zu kühl war, habe ich mein Wanderhemd übergezogen, da hätte dann ein T-Shirt auch nicht mehr Wärme gegeben. Außerdem hab ich für nachts nur kurze Sachen zum Schlafen gebraucht. In den Massenlagern war es für meinen Geschmack eher zu warm als zu kalt und es hatte immer reichlich Decken, so dass man auch mehr als eine hätte benutzen können. An dieser Stelle könnte man also auch noch etwas einsparen. Der warme Pulli für abends könnte auch noch weggelassen werden, wenn man sich halt mit der warmen Jacke an den Tisch setzt. Wäre es noch kälter gewesen (was ja auch im Sommer immer möglich ist), wäre ich allerdings froh um ihn gewesen, da er dann als weitere Schicht gedient hätte.

Bei den Kosmetiksachen haben wir uns wirklich auf das Nötigste beschränkt und manche Sachen, wie z.B. die Zahnpasta, geteilt. Dabei haben wir festgestellt, dass selbst kleine Tuben oder Dosen länger halten, als man vorher so meint. Die zweite kleine Tube Sonnencreme hätte ich nicht gebraucht, da die erste, bereits angefangene, nicht leer geworden ist.

Die Wanderin mit dem leichten Rucksack hat uns noch erzählt, dass sie immer nur anderthalb Liter Wasser mitnimmt. Sie würde dann morgens ganz viel trinken und halt abends wieder. Das wäre aber nichts für mich. Ich trinke sowieso schon immer recht viel und wenn ich schwitze erst recht. Auf mehreren unserer Etappen gab es unterwegs keinerlei Einkehrmöglichkeiten. Dann irgendwann ohne Wasser laufen zu müssen, halte ich nicht für sinnvoll. Selbst bei drei Litern hatte ich manchmal am Ende des Tages nichts mehr und das finde ich sehr kontraproduktiv, gerade wenn es zum Nachmittag hin warm ist.

Es wird uns nichts übrigbleiben, als bald wieder eine solche Tour zu planen und die wirklich sinnvolle Ausrüstung zu üben. Die 13 Kilo waren ja auch machbar, aber gerade auf der letzten Etappe mit dem langen Anstieg haben wir sie halt auch gemerkt. Man könnte sich das Leben beim Wandern im wörtlichen Sinn leichter machen. Wir werden daran arbeiten.

Was den Weg selbst betrifft, sprechen die Bilder (siehe meine Etappenbeschreibungen) für sich. Die Landschaft ist einfach wunderschön und unglaublich abwechslungsreich. Eigentlich sah es auf jeder Etappe wieder anders aus. Die geologischen Besonderheiten, wie die sehr unterschiedlichen Farben des Gesteins, die Glarner Hauptüberschiebung und das Martinsloch, waren sehr beeindruckend. Es blieb die ganze Zeit über spannend, weil man nie wusste, welcher Ausblick einen auf der anderen Seite des nächsten Passes, nach der nächsten Wegbiegung erwartete. Außerdem war dieser Weg eher einsam. Wir haben niemanden getroffen, der wie wir alle Etappen am Stück wanderte, sondern nur Wanderer, die Teile des Weges liefen. Erst zum Wochenende wurde es ein wenig voller. Wir vermuten, dass das vor allem zwei Gründe hatte, wobei der erste der offensichtlichere ist: eine Hüttentour in der Schweiz ist richtig teuer. Die Übernachtungspreise sind um ein Mehrfaches höher als in Österreich oder Deutschland. Auch für Getränke und Essen zahlt man viel mehr. Die meisten Leute, die wir auf den Hütten getroffen haben, waren dementsprechend Schweizer. Wir wussten vorher, worauf wir uns einlassen und hatten uns darauf eingestellt. Der zweite Grund könnte sein, dass diese Tour nur am Anfang und am Ende Zugänge über Bergbahnen hat. Alle anderen Etappen bzw. Hütten sind tatsächlich nur zu Fuß erreichbar. Insofern konnte man nie abkürzen und auch ein Abbruch der Tour mittendrin wäre eher schwierig gewesen. Umso dankbarer sind wir natürlich auch, dass uns das dieses Mal erspart geblieben ist.

Die einzelnen Etappen sind unterschiedlich lang, aber alle machbar. Die ersten beiden Etappen sind mit jeweils ungefähr 11 Kilometern und 1000 Meter Aufstieg eher was zum Aufwärmen. Die nächsten beiden Etappen haben dann 15 Kilometer und um die 1800 Meter Auf- bzw. Abstieg. Die letzten beiden Etappen mit an die 20 Kilometern Länge und reichlich Auf- und Abstieg haben es dann in sich. Das macht die ganze Tour recht anstrengend nach hinten raus. Ab der dritten Etappe hat man entweder reichlich Abstieg oder reichlich Aufstieg. Das ist auf einen Tag gesehen dann wirklich anstrengend. Wenigstens gab es keine zwei Tage hintereinander nur Auf- oder nur Abstieg, sondern das erfolgte abwechselnd. Die letzte Etappe hätte als einzige dann beides gehabt, aber da haben wir uns ja den langen Abstieg am Ende durch eine Abzweigung vom eigentlichen Weg und die Nutzung des Sesselliftes gespart.

Insgesamt war ich erstaunt, wie gut es überhaupt und insbesondere mit den langen Abstiegen ging, vor denen hatte es mir vorab nämlich reichlich gegraut. Natürlich habe ich meine Knie deutlich gespürt und nach Ende der Tour brauchten sie zwei Tage, bis sie wieder normal waren. Aber das war auch schonmal schlimmer mit richtigen Schmerzen im linken Knie. Und sonst kriege ich von langen Abstiegen schonmal üblen Muskelkater. Dieser ist diesmal ausgeblieben, ich scheine also doch langsam auch in diesem Bereich einen gewissen Trainingserfolg erzielt zu haben. Der Einsatz von Wanderstöcken war natürlich zusätzlich hilfreich. Allerdings setze ich diese nicht immer ein. Bergauf sowieso nicht und bergab nur in längeren, nicht zu steilen Abstiegen. Ich beobachte nämlich, dass ich mit Stöcken meine Füße nicht mehr ordentlich setzte, sondern eher so den Berg runtertrampel. Auf sehr steilen Abschnitten ist das eher kontraproduktiv, da ich dann viel eher wegrutsche oder umknicke. Außerdem setze ich mit Stöcken meine Oberschenkelmuskeln zu wenig ein, so dass der stützende Effekt mit den Stöcken gar nicht so groß ist wie der sein könnte. Und ich hasse es, die Hände nicht frei zu haben. Bei jedem Foto, jedem Trinken, jedem Naseputzen sind die blöden Stöcke im Weg. Aber vielleicht tritt auch beim Einsatz der Stöcke ein wenig Trainingseffekt ein, wenn ich es öfter machen würde.

Unsere Füße sind diesmal übrigens völlig von irgendwelchen Blasen oder anderen Schmerzen verschont geblieben. Da gab es gar nichts zu klagen und das war auch gut so.

Wir waren am Ende der Tour geschafft, aber glücklich. Wir konnten sechs Tage in wunderschöner Natur unterwegs sein. Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter. Die Anstrengung war deutlich spürbar, aber wir waren nicht völlig fertig. Es war eine rundum tolle Erfahrung! Und es war mit Sicherheit nicht unsere letzte Hüttentour.

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