14,6 km, 1345 Hm

Seit klar war, dass wir im Urlaub nach Schottland gehen würden, habe ich fest geplant, auf den Ben Nevis zu steigen. Bei einer Höhe von gerade mal 1345 Metern erschien mir das kein besonders schwieriges Unterfangen, trotz der Tatsache, dass zum Zeitpunkt unserer Reise der Frühling gerade erst angefangen haben würde. Natürlich habe ich dann schonmal die eine oder andere Routenbeschreibung gelesen. Dabei wurden mir zwei Dinge schnell klar: der Ben Nevis ist nicht so harmlos, wie er auf den ersten Blick erscheinen mag und den Aufstieg über Carn-Mor-Dearg-Arête konnte ich im Winter und vor allem allein vergessen, denn dazu hätte ich Steigeisen und Pickel und Erfahrung mit beiden gebraucht. Also blieb nur die Normalroute.

Bei der Planung unserer Rundreise durch Schottland war auch klar, dass ich genau einen Tag für dieses Unterfangen haben würde. Wenn an diesem Tag das Wetter nicht passte, wäre die ganze Sache gestorben. Blieb noch die Frage, ob ich dafür die Bergstiefel einpacken und damit das Gepäck erschweren sollte oder nicht. Nach langem Überlegen entschied ich mich für meine leichten Freet Mudee Wanderschuhe, da ich nur die vermeintlich einfache Touristen-Strecke machen wollte.

Schottland empfing uns ja bereits mit unglaublich gutem, weil trockenem Wetter. Auch an meinem Wandertag war das Wetter trocken und der Gipfel des Ben Nevis wolken- und nebelfrei, ein wohl eher seltenes Phänomen. Das gute Wetter nutzten außer mir natürlich noch zahlreiche andere Wanderer. Der erste Teil der Strecke besteht quasi fast durchgehend aus Stufen, die aber von der Höhe auch für kleine Menschen wie mich sehr angenehm zu gehen waren. Ich kam gut voran und ließ diverse andere Leute hinter mir. Bergauf gehen liegt mir ja eh, leider ist meine Winterregenjacke nicht wirklich atmungsaktiv, deshalb kam ich ganz schön ins Schwitzen. Die Aussicht war absolut grandios. Immer wieder kam die Sonne hinter den Wolken hervor und tauchte alles in goldenes Licht. Ab der Stelle, an der der Weg über Carn-Mor-Dearg-Arête abzweigt, wird der Touristenweg nach und nach immer schmaler und steiniger. Es wurde zunehmend kälter und immer windiger. Aus nicht geklärten Gründen kam ich bei einem ausgedehnten Geröllfeld vom Weg ab und hab mich ziemlich steil den Berg hochgekämpft, bis ich schließlich wieder auf den eigentlichen Weg traf. Spätestens an der Stelle wurde mir klar, warum man sich am Ben Nevis im üblichen Nebel so schnell verirren kann. Es gab nun immer mehr Schneefelder, diese wurden schließlich zu einer geschlossenen Schneedecke. An der Stelle musste ich nun endgültig meine Fleece- und meine Daunenjacke und vor allem die Handschuhe und die Mütze anziehen und die Stöcke auspacken, weil der Wind unfassbar kalt war. Die nächsten Meter waren mit total kalten und tauben und dadurch schmerzenden Fingern und über den zum Teil vereisten Schnee echt anstrengend.

Oben angekommen blieb das richtige Gipfelgefühl leider aus, weil der Ben Nevis keinen klassischen Gipfel und kein Gipfelkreuz hat, sondern ein riesiges Plateau, auf dem sich noch eine alte Schutzhütte befindet. In ihren Windschatten habe ich mich erstmal begeben, um gegen den aufkommenden Hungerast wenigstens kurz einen Riegel zu verspeisen und etwas zu trinken. Den dort vermutlich auch befindlichen Cache habe ich nur ganz kurz gesucht und dann aufgegeben, weil es einfach zu kalt und windig war. Beim Versuch die Aussicht zu fotografieren, wurde ich vom Sturm fast umgeworfen. Es war richtig krass und ein Stück weit beängstigend. Deshalb habe ich mich lieber wieder an den Abstieg gemacht. Dieser war über den vereisten Schnee stellenweise eine echte Herausforderung. Mehrfach wurde ich von Wanderern mit Steigeisen überholt, die hab ich echt beneidet. Spätestens an dieser Stelle habe ich auch meine Entscheidung, die Bergstiefel daheim zu lassen, etwas bereut. Leider hab ich mir trotz aller Vorsicht das linke Knie ein bissle verdreht, was ich den restlichen Abstieg über gemerkt habe.

Als ich den Großteil der Schneefelder hinter mir hatte, hab ich mich an einem halbwegs windstillen Plätzchen zum Vespern hingesetzt. Danach ging es weiter bergab. Die Aussicht wurde zwar diesiger, war aber für den Ben Nevis weiterhin grandios. Wenn man die anderen Berge sieht, hat man auch gar nicht das Gefühl, dass man grad auf dem höchsten von allen ist. Schließlich konnte ich einige meiner Schichten wieder loswerden.

Nach nicht ganz sechs Stunden war ich schließlich wieder im Visitor Center, die reine Bewegungszeit waren vier Stunden und 15 Minuten, also gar nicht mal so langsam.

Anstrengend an dieser Wanderung ist, dass sie so gut wie keine ebenen Passagen hat, es geht halt die ganze Zeit bergauf und dann durchgehend bergab, was ich persönlich ja viel anstrengender finde. Inzwischen kann ich mir auch vorstellen, dass man sich bei Nebel leicht verirren kann. Gerade auf dem Gipfelplateau kann das schnell fatale Folgen haben, weil es schon steile Kanten gibt, die ich mir aufgrund des böigen Windes leider nicht aus der Nähe anschauen konnte. Trotz des Schnees habe ich völlig unzureichend ausgerüstete Leute gesehen, z.B. in Joggingschuhen ohne Socken. Andere Gruppen habe ich beim Aufstieg überholt und danach nicht mehr gesehen, sie müssen also den Aufstieg abgebrochen haben. Insofern bin ich schon ein bissle stolz, dass ich es geschafft habe. Die häufig zu lesende Beschreibung die Normalroute sei langweilig und eintönig, finde ich zumindest für gutes Wetter nicht gerechtfertigt, denn man hat die ganze Zeit eine tolle Aussicht, die sich immer wieder verändert und neue Einblicke ermöglicht. Bei Nebel mag das natürlich anders sein. Auf dem Weg überquert man immer wieder kleine Bäche und Wasserfälle. Mir hat dieser Weg auf jeden Fall Spaß gemacht.

Meine Füße sind in den Freet Mudee übrigens trocken, wenn auch im Schnee nicht ganz warm geblieben. Die Passagen über das Geröll waren nicht ganz so angenehm, da wären die Bergstiefel schon besser gewesen. Es war aber machbar. Mein Rucksack (Osprey Sirrus 26) hat super Dienste geleistet, diese Wanderung war ja seine richtige Einweihung. Wie ich es von Osprey gewöhnt bin, sitzt er auch mit dicker Kleidung richtig gut, gefühlt hatte ich kaum Gewicht auf den Schultern, also so, wie es sein soll.

Ich bin sehr froh, dass alles so gut geklappt hat. Von diesem Erlebnis werde ich noch eine Weile zehren und meine Vorfreude auf die diesjährige Wandersaison ist bereits angefacht.

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