Es ist schon erstaunlich, was einem alles beim Aufwachen direkt wehtun kann. Außer meinen geschundenen Füßen merkte ich deutlich die Hüften und die Schultern. Aber ist ja auch ganz schön, wenn sich der Schmerz nicht nur auf einen Punkt konzentriert.

Zum Frühstück hatten wir zum Glück Kaffee. Außerdem gabs Müsli mit Reis-Kokos-Milch. Und eine ziemlich trockene Gurke vom Vortag.

Die Füße nochmal mit Hirschtalg behandelt, ging es motiviert los. Die Luft war nach dem krassen Gewitter vom Abend total schwül, aber die Sonne versteckte sich noch etwas hinter den Wolken, insofern gings noch. Die Strecke nach Arbon führte leider nicht direkt am See, dafür aber an den Bahngleisen entlang. Nach etwas mehr als acht Kilometern haben wir eine Rast gemacht und mir war klar, dass es mit meinen Füßen so nicht weitergeht. Wir sind dann zu einem Sportgeschäft in Arbon gelaufen bzw. ich eher geschlichen. Der nette Verkäufer dort hat alles gegeben, aber es gab keine Schuhe, die besser waren. Bei jedem Paar, das ich anprobierte, hatte ich immer die gleichen Probleme, nämlich, dass sie einfach zu eng geschnitten waren. In Halbschuhen hätte ich zwar das Problem mit dem Knöchel nicht mehr gehabt, aber es war direkt spürbar, dass ich auch darin nicht wirklich würde laufen können. Also hab ich meine einzigen anderen Schuhe ausgepackt, die ich dabei habe: meine geniale Sandale. Die Schnürung zwischen den Zehen traf dort zwar auf die Blasen, aber das war trotzdem besser auszuhalten als die Wanderschuhe. Wir sind dann Richtung Bahnhof gegangen und haben Kriegsrat gehalten, der zumindest von meiner Seite mit frustrierten Tränen untermalt wurde. So hatte ich mir das nicht vorgestellt und mit einer solchen Problematik auch nicht gerechnet. Ich hatte mich natürlich darauf eingestellt, dass die Füße abends wehtun und die Schultern vom Rucksack schmerzen würden. Auch mit einem Sonnenbrand oder Muskelkater rechnet man vielleicht. Aber dass Schuhe, die gut eingelaufen sind, solche Probleme bereiten, hätte ich nicht erwartet. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns, den Rest des Tages am See zu verbringen, dann mit dem Zug nach St. Magrethen zu fahren und von dort nach Höchst zur Unterkunft zu laufen. Da das Seeufer in Arbon nicht so einladend war, sind wir in die Badi nach Steinach gelaufen. Hatte den Vorteil, dass es dort wenigstens Kaffee gab, den wir uns dann trotz der schweizerischen Preise – einen Espresso doppio für 5CHF – trotzdem mal gegönnt haben. Auch haben wir dort die Hecke als Wäschetrockner benutzt. Die anschließende Zugfahrt fiel ebenfalls nicht in die Kategorie günstig. Von St. Magrethen sind wir dann zu Fuß über die schweizerisch-österreichische Grenze gelaufen. In Höchst hat meine Schwester sich in der Apotheke Salbe gegen ihren Ausschlag besorgt und im Bioladen haben wir uns für abends eingedeckt, was die an sich schon schweren Rucksäcke natürlich noch schwerer gemacht hat. Wir bemerkten allerdings unseren Kaloriemangel vom Vortag, den es nun auszugleichen galt, zumal wir den Tag über auch noch nicht so viel gegessen hatten.

In unserer Ferienwohnung angekommen, gab es nach einer dringend nötigen Dusche dann Spaghetti mit Trüffelpesto, dazu gegrillte Paprika, getrocknete Tomaten und Oliven und zum Nachtisch Zwetschgen. Die dann im Endeffekt trotzdem 17km, davon 6 mit meinen Sandalen gelaufen, haben wir dann noch zusätzlich mit Wein und Gin gefeiert.

Erkenntnis am Abend: man sollte nichts überstürzen und nur von einem Tag auf den anderen entscheiden. Denn nachdem ich in Arbon eigentlich schon gedanklich im Zug heim saß, bin ich trotz der Quälerei froh, jetzt hier zu sein. Was der morgige Tag bringt, wird sich dann zeigen. Morgen!

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